Hinter der Tür #19

Hier habe ich noch einen kleinen Schatz entdeckt, ein Gedicht von Hilde Zimche (Grünbaum), von der ich schon berichtet habe. Sie hat es anlässlich eines Treffens der damals noch lebenden Gründergeneration des Kibbuz Netzer Sereni 1985 auf Hebräisch geschrieben. Später wurde es gemeinsam mit 24 Berichten und einem weiteren Gedicht vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt. Die Sammlung, die anlässlich der Feier erschienen war, wurde einige Jahre später auch unter dem Titel „Wer hätte das geglaubt“ auf Deutsch veröffentlicht.

Vierzig Jahre

Wer hätte geglaubt,
Daß wir, einst sogar des Namens beraubt,
Nach 40 Jahren uns zusammen finden.
So viele Erinnerungen uns aneinander binden.

Jung verließen wir das Elternhaus,
Gingen auf das Land hinaus,
Um uns zu treffen für ein gemeinsames Ziel,
Das jedem von uns hat bedeutet so viel.

Lernten arbeiten, aber auch Musik und Literatur
Und vom Gemeinschaftsleben die Struktur.
Machten uns mit dem Gedanken vertraut,
Unser Land wird mit eigenen Händen gebaut.

Unsere Fahnen und die Lilie waren Symbole,
Treu halten einer dem andern die Parole.
All das blieb lebendig in unseren Gedanken,
Ließ uns in schwerster Zeit nicht wanken.

Teche sakna, Schalchelet und Hatikwa unsere Lieder,
Die wir sangen immer und immer wieder.
Auch in manch´ grausamer Stunde
Wie Gebete sich lösten im Munde.

Manch einer hat sein Brot gegeben,
Um den Freund zu erhalten am Leben.
Einen Schluck Wasser geteilt
Und neben dem Schwachen verweilt.

Versteckte Briefe von einem zum andern
Ließen unter Todesgefahr wir wandern,
Um einige Worte des Trostes zu sagen:
Den Mut nicht verlieren, nicht verzagen!

Wenn mich meine Kinder, meine Enkel fragen,
Möchte ich stolz ihnen sagen:
Hier, schaut euch meine Freunde an!
Jeder stand dort seinen Mann!

Unsere Madrichim knüpften das Band,
Einer gab dem andern die Hand,
Zu einer Familie eng geschmieden,
Trotzdem sind viele Lücken geblieben.

Heute stehen wieder wir im Kreis,
Und jeder einer von uns weiß:
Unser Traum die Verwirklichung fand:
Freie Menschen sein im eigenen Land.

In 40 Jahren haben wir viel gewonnen,
In unserem Land einen Stammbaum begonnen.
Neue Zweige sprießen vom gestutztem Baum.
Auch für einen neuen Kibbuz war Raum.

Und wenn wir unsere Geschichte erzählen
Wollen wir zum Ende erwähnen:
Helden gibt´s nicht nur mit Munition,
Held sein heißt: Mensch bleiben in jeder Situation.

Hilde Zimche (Grünbaum)

Quellenverweis: Zitiert aus „Wer hätte das geglaubt“ von Erhard Roy Wiehn
erschienen im Hartung-Gorre Verlag Konstanz

Schönes Wochenende!
Shabbat Shalom und bis bald hinter den Türen!

© Sabine Bruckner

5 Gedanken zu “Hinter der Tür #19

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