Hinter der Tür #4

Ruth Klüger – Immer wenn ich ihr Gesicht sehe, habe ich das Gefühl eine Bekannte zu sehen. Vielleicht haben wir uns einmal getroffen, irgendwo auf einer Veranstaltung … . Ich schaffe es nur nicht zu sagen, wann und wo es gewesen sein könnte. Vielleicht auch täusche ich mich und sie erinnert mich nur an jemand anderen.

Ich war einmal sehr überzeugt zu wissen, dass es eine gute Freundin von Sonja wäre, einer Dame, die ich in Jerusalem betreut habe und bei der wir uns einmal getroffen hätten. Ich bin in Wien auf Ruth Klügers Bücher gestoßen und dachte sofort, dass es diese Freundin wäre. Ich kaufte die Bücher und nahm sie voll Freude nach Israel mit. Ich las sie mit Begeisterung, bevor ich sie Sonja überbrachte. Ich war dann reichlich erstaunt, dass sie keine Ahnung hatte, wer Ruth Klüger ist. Tja, es war nicht ihre gute Freundin, an die ich gedacht hatte. Sonja freute sich denoch sehr über die Bücher. Sie sagte: „Ich kenne sie nicht, aber sie scheint eine äußerst interessante Person zu sein. Ich wünschte, sie gekannt zu haben.“

Ich kann bis heute nicht sagen ob es ein Treffen gab, oder wann und wo ich sie gesehen habe, aber bis heute habe ich das Gefühl in ein vertrautes Gesicht zu sehen. Gestern hat mir eine gute Freundin einen Artikel geschickt, der berichtet, dass Ruth Klüger in der Nacht vom 05.10. auf den 06.10.2020 verstorben ist. Wieder eine Zeitzeugin die uns verlassen hat.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte sie einmal:

Gedichte halfen mir zu überleben. Sie sind, wie Träume, eine Möglichkeit, dem Unterbewusstsein Luft zu verschaffen. Sich mit Goethe an schöne Orte begeben zu können, bewies mir, dass es da draußen eine Natur geben muss, die nicht so ausschaut wie die Mondkraterlandschaft der Lager.

Gedichte und Lyrik waren ihre große Liebe und ihr Überleben, eine bemerkenswerte Frau, die ich gerne auch besser gekannt hätte.
Hier noch ein Gedicht mit auf dem Weg.

Möge ihr Andenken gesegnet sein.

Erster Verlust

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!

Einsam nähr ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur ich ums verlorne Glück.

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene holde Zeit zurück!

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832,
deutscher Dichter, Naturforscher)

Schönes Wochenende!
Shabbat Shalom und bis bald hinter den Türen!

© Sabine Bruckner

3 Gedanken zu “Hinter der Tür #4

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