Hinter der Tür #17

Hier nun wie versprochen ein Einblick in Almas Notizbuch, das sich bis heute im Besitz von Hilde Zimche befindet und wohl zu einem ihrer wertvollsten Erinnerungsstücke gehört.

Das Notizbuch von Alma Rosé beinhaltet ihre Transkribierung für Stimme und Orchester zu Fryderyk Chopin´s Tristesse, Étude E-dur Op.10, No. 3, die sie mit einem eigenen Text versehen hatte. Es war im Lager verboten, Chopin zu spielen, so spielten sie im Geheimen. Sollten sie erwischt werden, war mit harten Strafen zu rechnen. So wurde nur einige Male im ausgewählten kleinen Kreis der Orchesterbaracke dieses Lied gespielt. Es war ein Zeichen des Widerstandes und sollte etwas Freude bringen; allen, die es hörten.

“In mir klingt ein Lied”

In mir klingt ein Lied,
ein schönes Lied,
und durch die Seele mir Erinnern zieht.
Mein Herz war still.
Nun erklingen wieder zarte Töne,
ruft in mir alles auf.

Leben war fern,
Und Wünsche fremd.
Mein Herz! Wie ruhig warst Du, lange Zeit.
Doch nun kam nah
All mein Glück und mein Verlangen,
tiefstes Sehnen, schlaflos Bangen.

Alles, alles lebt jetzt wieder auf.
ich will doch nur
Frieden für mein Herz,
Ruhe will ich nur,
nicht denken wieder (mehr)
An ein schönes Lied.

Alma wurde am 3. November 1906 in Wien geboren. Ihr Vater, Arnold Rosé, war einer der angesehensten Musiker Europas, Konzertmeister des Hofopernorchesters, Professor an der Wiener Musikakademie und Primarius des nach ihm benannten Streichquartetts. Almas Mutter, Justine, war eine Schwester Gustav Mahlers. Musik war dem Mädchen in die Wiege gelegt. Schon als Kind liebte sie das Geigenspiel, täglich gab ihr der Vater Unterricht.

Mit 16 Jahren gab Alma ihren ersten Violinabend. Vier Jahre später debütierte sie im Großen Musikvereinssaal. Auf dem Programm stand unter anderem das Doppelkonzert von Johann Sebastian Bach. Eine Aufnahme davon aus dem Jahr 1928 ist das einzige Tondokument, das von Alma überliefert ist.

Schönes Wochenende!
Shabbat Shalom und bis bald hinter den Türen!

© Sabine Bruckner

16 Gedanken zu “Hinter der Tür #17

  1. It’s always nice to think about the stories behind the doors, but this story is strong and sad. That music would be forbidden and used as a vehicle of resistance is hard to imagine. Putting myself behind those doors is a leap of imagination. I’m sure I can’t even come close. Neither can I understand, but I’m glad the story is being told.

  2. Ein berührendes Stück, lieben Dank! Auch das Video zu Chopins Etude ist raffiniert (falls man in diesem Zusammenhang überhaupt von „raffiniert“ sprechen darf?) gemacht, da schon die Notenlinien unterschwellig an Stacheldraht erinnern, so wenn immer wieder ein Draht-Knoten auftaucht.

    Hab Du auch ein schönes WE, Servus, der El

    • Danke dir! Ich glaube man kann durchaus von raffiniert sprechen. Die Macher des Videos haben da offensichtlich einige Gedanken hinein gesteckt. Das Ergebnis finde ich, kann sich sehen lassen. Es hat eine Einfachheit die doch soviel ausdrückt.
      Herzliche Grüße, Sabine

  3. Wieso? Waarom mochten ze van de moffen niet naar mooie vioolmuziek luisteren???
    Kunst in iedere en welke vorm dan ook zijn vitamines voor de ziel . . . , dat is mijn eerste gedachtegang . . .
    Ik woon in mijn eerste gedachtegangen en voor anderen … , is die woning onbewoond verklaard … Het is heel mooi … Prachtige vioolmuziek … , waarvan ik tot rust kom … , géén korte lontjes, dat is belangrijk . . . * http://www.friedabblog.wordpress.com *
    Elfriede Heinzel, zaterdag 9 januari 2021, 19.25 uur … Hollandse wintertijd tè Amsterdam . . . *

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