The Week’s Discovery #2

Yom Kippur und der Eigenversuch

Wieder einmal stand der höchste Feiertag des Landes an und wir haben gemeinsam den Yom Kippur gefeiert. Ob man will oder nicht,  man kann sich diesem Feiertag hier im Land nicht entziehen, denn das ganze Land steht still. Wer es nie erlebt hat, kann es wohl schwer verstehen, welche Atmosphäre hier herrscht. Die Geschäfte sind geschlossen, die Straßen sind leer, es gibt keine Flüge, die landen oder starten, das Fernsehen bringt keine Sendungen, ebenso wenig das Radio. Einfach alles ist geschlossen und für einen Tag auf Pause gestellt. Worum es genau geht bei diesem Feiertag, könnt ihr hier nachlesen: „Yom Kippur – Fakten und Gedanken“

Was war nun die Entdeckung der Woche bei alledem? Ich habe schon öfter den Yom Kippur hier im Land verbracht und mich auch am Fasten beteiligt. An diesem Tag isst und trinkt man 25 Stunden nicht. Jedoch was ich bisher nie gemacht habe, ich habe nie auf sämtliche elektronische Geräte verzichtet. Jedoch dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, tatsächlich für einen Tag, einmal alles ruhen zu lassen. Wenn ihr denkt es ist sehr schwer für 25 Stunden nicht zu essen und zu trinken … ja das stimmt. Jedoch habt ihr schon einmal für diese Zeit auf sämtliche Geräte verzichtet? Eigentlich sollte das ja nicht so schwer sein – eigentlich… aber ein Tag kann sehr lang sein, wenn man nicht isst, nicht trinkt, keinen Fernseher, kein Radio, Laptop, Iphone verwendet, usw…

Man hat Zeit, einmal im Jahr ist man frei von allem und hat einfach nur Zeit, man wird nicht gestört durch nervige „Klings“ und „Pings“, die eine neue Nachricht auf einem der vielen Dienste meldet, die man verwendet, man muss seine emails nicht alle paar Minuten checken oder verfolgen, wer gerade welches stumpfsinnige Video geliked hat, und doch fällt es schwer. Wir sind schon so gewohnt an diese Dinge, dass wir uns kaum ein Leben ohne sie vorstellen können. Es ist einem gar nicht bewusst, wie abhängig man bereits ist, solange man nicht einmal darauf verzichtet. Ich kann nur sagen, es war nicht so einfach. Ich habe weniger ans Trinken gedacht, als daran, auf meinem Iphone zu checken, was los ist. Jedoch lohnt es sich, das Ding mal zur Seite zu legen und eine Auszeit von all der Zerstreuung zu nehmen, auch wenn es nur für einen Tag ist – was heißt nur! – so ein Tag kann lange dauern 😉 – Jedoch was macht man, wenn man nichts macht? Am Abend spazieren hier die Leute an Yom Kippur durch die Straßen und man unterhält sich ein bisschen. So kam ich ins Gespräch mit einem älteren Herrn, der mir sämtliche seiner Lebensweisheiten kundgetan hat und mir so manches Interessante erzählt hat. Wie oft unterhalten wir uns schon einfach so mit Fremden? Vor allem dann nicht, wenn wir gerade auf unsere Smartphones starren. Es lohnt sich mal abzuschalten (im wahrsten Sinne des Wortes!) – wenn auch nur für einen Tag! Was wir lernen? Am meisten über uns selbst.

Hier noch ein kurzes Video – passend finde ich 😉

Ein interessantes Buch zum Thema: „Ich bin dann mal offline“ von Christoph Koch

© Sabine Bruckner

9 Gedanken zu “The Week’s Discovery #2

  1. Fuer dich ist es wirklcih mal etwas voellig anderes. Wir haben ja auch jeden Shabbat alle Geraete aus, kein Telefon, kein Handy und kein Internet an. Daran gewoehnt man sich sehr leicht. Nicht Essen und nicht Trinken, das ist nciht immer so leicht.
    Als ich das erste Mal an Yom Kipur in Israel war, bei meiner Schwester, die am Zomet Geha wohnte damals, da meinte sie zu mir: du wirst den grossen Unterschied sehen, in Israel an Yom Kipur zu sein, Kein Auto faehrt, etc. Ich habe aber die ganze Nacht Autos gehoert, die auf Geha fuhren udn es war nicht still. Die Erklaerung war dann mit der Sirene am Vormittag, als der Krieg anfing. der Yom Kipur Krieg. Und meine Schwester war Ende 9. Monat schwanger! Das war aber wirklich das erste und letzte Mal, das ich Autos hoerte udn fahren sah.

    • Hi vivi, unglaublich das du es genau getroffen hast, deinen ersten Yom Kippur hier in Israel genau zu Kriegsbeginn zu sein. Ich hab von vielen die Geschichten und Erlebnisse gehört, wie die Leute die Autos fahren hörten und welch ein Schock es war, dass sie sich plötzlich im Krieg befanden – möge es nie wieder dazu kommen! Hoffen wir auf viele noch kommende, ruhige Feiertage hier im Land! Liebe Grüße, Sabine

      • Ich war hier, wegen meiner Schwester, ihr Sohn kam dann am Mozae Simchat Thora an, Er hatte extra gewartet, dass es ruhiger wird.
        Ich lebe jetzt 39 Jahre hier und das war wirklich das einzigste Mal. Ich hoffe auch, dass wir keinen Krieg udn keine Schiessereien mehr erleben muessen, aber ich bin da leider sehr sehr skeptisch, nach diesem Sommer.
        ich habe mir das Video angesehen, udn ich kann nur sagen, dass viele wirklich nicht mehr nach „oben“ oder „gerade aus“ schauen, nur noch auf ihr Handy etc. Bei mir ist das Handy nur Mittel zum Zweck, dass man mich erreichen kann, sonst nix. Ich habe dort kein Internet udn keinerlei Spiele.

      • Für deine Schwester muss es auch eine enorme Anspannung gewesen sein, so kurz vor der Geburt – aber gut das alles gut gegangen ist und gerade zu Mozae Simchat Thora ist doch wunderbar! Was den Krieg betrifft bin ich auch eher realistisch und es ist wohl nicht absehbar, das es auf Dauer ruhig sein wird, aber wir hoffen mal das Beste. Was die Handys betrifft, habe ich selber erst seit kurzem ein Smartphone und ich muss sagen, es ist sehr praktisch und auch für vieles sehr nützlich, aber wie bei allen Dingen kann es auch gewisse negative Nebeneffekte haben. Vor allem wenn man zusammensitzt und dann jeder nur mit seinem Handy beschäftigt ist. Das richtige Maß zu finden ist in allen Dingen die Herausforderung.

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