Im Mahlstrom der Zeiten

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Ruta Wermuth verstorben ist. Vor vielen Jahren habe ich bereits über sie und ihre Geschichte berichtet. Heute zu diesem Anlass möchte ich sie noch einmal mit euch teilen. Ein unglaubliches und bewegendes Leben. Das Wiederfinden ihres Bruders nach über 50 Jahren gehört bis heute zu einer der berührendsten Geschichten die ich je hören durfte.

Möge ihr Andenken gesegnet sein!

Hinter den Türen der Stadt

Eines Tages läutete bei mir das Telefon und ich bekam eine Einladung von einer Freundin, sie zu einem Zeitzeugengespräch zu begleiten. Die Dame die kommen sollte, war eine langjährige Bekannte ihrer Familie und hieß Ruta Wermuth. Natürlich sagte ich zu, um mehr von ihrer außergewöhnlichen Lebensgeschichte zu erfahren. So machten wir uns auf den Weg zu einer Schule, wo ich das erste Mal hören sollte, was Ruta erlebt hatte:

Ruta wurde 1928 in Kolomea geboren, hinein  in eine kleine jüdische Familie. Sie hatte zwei ältere Brüder, Pawel und Salek. Sie beschreibt ihre Kindheit als glücklich und als jüngste und einzige Tochter wurde sie von den Eltern verhätschelt. Die Idylle fand jedoch ein jähes Ende, als im September 1939 sowjetische Truppen den Osten Polens besetzten. Knapp zwei Jahre später im Juli 1941 ersetzte die deutsche Okkupation die sowjetische.

Ruta beschreibt dies in ihrem Buch wie folgt:

Die Vernichtung der Juden und…

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