Abschied

In einem Moment treten wir in das Leben eines Menschen und in einem anderen verlassen wir es wieder.

Jeder Abschied ist ein kleiner Tod,
aber jeder Tod ein großer Abschied.

Alphonse Allais (1855 – 1905)

Meine Zeit als Volontärin unter den Holocaustüberlebenden ist nun zu Ende und meine Nachfolgerin ist angekommen. Diese Woche hieß es nun Abschied zu nehmen. Bei Einigen war es ein Abschied für immer und Einige werde ich wohl wieder sehen, aber Vieles kann passieren in einigen Wochen und am Ende weiß man nicht, was der Morgen bringt.

Ich bin kein Freund von Abschieden – wahrlich nicht – aber wer ist das schon? Ein gutes Ende zu finden ist oft erheblich schwerer als einen Anfang zu machen.

Was bleibt noch zu sagen und worüber soll man lieber schweigen,
wie sich in einem Moment loszureißen,
eine letzte Umarmung,
ein letzter Blick,
ein letztes Lächeln
und die Tür hinter einem schließt sich.

Jeder Abschied hinterlässt eine kleine Leere, ein kleiner Tod und doch ist da auch eine Fülle, die jeder Mensch in unserem Leben hinterlässt.

Je schöner und voller die Erinnerung desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein Geschenk in sich.

Dietrich Bonhoeffer

Eine Fülle an gemeinsamen Erinnerungen, Gesprächen, Erlebnissen, Momenten, in denen man gemeinsam gelacht hat und auch die schweren Zeiten, durch die man gemeinsam ging.

Die Menschen, die ich betreuen  durfte, haben eine Fülle in mein Leben gebracht, die niemand rauben kann. Wie ein Schatz verschlossen und bewahrt in meinem Innersten.

Endet nun ein Kapitel und schließen sich einige Türen, ist nur einen Atemzug entfernt die nächste Seite, die ein neues Kapitel öffnet, die nächste Tür, hinter der sich neue Schätze verbergen, die darauf warten entdeckt zu werden.

© Sabine Bruckner